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PORTRAIT

Unternehmer*
innen sind
Menschen mit Wurzeln

Niklas Spils

Unternehmensnachfolger, übernahm den landwirtschaftlich-technischen Bedarfshandel in Cloppenburg von seinem Vater.

Es gibt wenig freie Zeit im Leben von Niklas Spils. Und die ist schon vielem gewidmet, der Familie und dem Fußballverein in seinem Ort. Seine Kinder sagen, auf keinen Fall übernehme ich das Unternehmen, viel zu viel Arbeit und Eingebundensein. Ihm geht es ganz anders: Ja, es ist viel Arbeit, aber auch viel Freiheit. Unabhängigkeit. 

Selbst entscheiden. Das ist für ihn großes Glück. 

Die ersten Jahre nach der Übernahme waren Arbeiten gegen die Bank. Aber nun läuft es. Freiheit ist auch, auszusuchen, welches Geld man wirklich verdienen will. Er will jedem ins Gesicht sehen können. Das gilt für Kund*innen und für Lieferant*innen. Der vierfache Familienvater erlebt, dass viele Unternehmen nur auf Wachstum gehen, Start-ups, die rücksichtslos sind, zulasten der Mitarbeiter*innen. Er selbst arbeitet lieber mit Familienunternehmen, wo er die Leute kennt. Er ist nicht auf starkes Wachstum aus. Weil er nicht viel führen möchte, sondern sich lieber um die Kund*innen kümmern will. Vier bis fünf Angestellte ist genug. Dabei hat er genug Nachfrage. Aber auch das kann er als Unternehmer eben selbst entscheiden, ob und wie er wachsen will. 

 

Er will noch Zeit haben, sich zu engagieren. 

Er macht Vereinsarbeit. „Ohne das Engagement der Unternehmen wäre Vereinsarbeit nicht machbar. Da wird viel gespendet.“ Viele machten das ohne Zeitung, sagt er, und meint ohne Öffentlichkeit, unbemerkt, ohne daraus für sich einen Vorteil zu ziehen. Einfach weil sie es wollen und können. Hier schwingt gleichermaßen Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber anderen Unternehmen in der Stimme mit, wie auch Stolz, zu dieser Gruppe zu gehören.  

 

Unternehmer*innen sind Menschen mit Wurzeln. 

Deshalb engagieren sie sich, deshalb übernehmen sie Verantwortung. Vielleicht ist das der wichtigste Satz im ganzen Interview: Unternehmer*innen sind Menschen mit Wurzeln. Man spürt es ihm ab, dass er diese Wurzeln hat. Studiert hat er auf Lehramt. Die Betriebsübernahme war nicht geplant. Aber da waren eben auch die Wurzeln und es lag ihm im Blut. Er sagt auch: „Unternehmer*innen sind oft super sozial, stellen Flüchtlinge ein, bilden diese aus. Das liegt auch an diesen Wurzeln, denn Unternehmer*innen denken deshalb gerne für ihre Region, für ihr Umfeld nach vorne.“ Sie entscheiden auf Basis einer langfristigeren Sicht und Ausrichtung. Sie sehen nicht nur ihr Unternehmen, sondern auch die Zulieferer, die Menschen in der Umgebung. Unternehmer*innen sind Vordenker*innen.

 

Die Leute denken, dass uns die Sonne auf den Arsch scheint.

Ein bisschen Neid erlebt er auch. „Die Arbeit wird nicht gesehen. Wer nicht Unternehmer*in ist, scheint die Arbeit, die hinter dem Erfolg steckt, nicht ermessen zu können. Und auch eine falsche Vorstellung vom Geld zu haben. Es muss ja auch investiert werden.“ Manches wird als zu leicht eingeschätzt von außen. Das stört ihn aber nicht. Er weiß, wo er steht, und kann allen ins Gesicht sehen, auch sich selbst.