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PORTRAIT

Ich kann gut Schulden machen

Mechthild Spener

Unternehmerin und Gründerin
von BOTZ – einem Unternehmen
für Keramik-Glasuren.

botz-glasuren.de

Eine inspirierende, charmante Frau, mit Leichtigkeit und Pragmatismus. Und so erzählt sie uns ihre Geschichte: „Mecki“ hat eigentlich Deutsch und Philosophie studiert. War Werkstudentin bei Bertelsmann. Aber, weil Umwege zum Leben gehören, hat sie ihr Examen erst nach der Gründung gemacht. Die Gründung war für die Liebe: Ihr damaliger Freund hatte die Idee für eine neuartige Keramik-Glasur, aber er konnte nicht so gut verkaufen und mochte es auch nicht. 

„Ich hatte keine Hemmschwelle dabei!“ 

Die verliebte Studentin entsann sich ihrer Herkunft: „Ich komme aus einer kaufmännischen Familie, wir hatten eine Kneipe und ein Hotel, ich dachte, verkaufen kann ich wohl.“ Gesagt, getan. Sie bekam ein Existenzgründungs-darlehen, zusammen wurde ein neues Unternehmen gegründet. Und sie fuhr los, ab 1984, im Gepäck Glasuren und Musterkacheln, meldete sich bei Keramikbedarfshändlern und später auch Bastelgeschäften an und stellte die Produkte vor. „Das machte Eindruck, ich war sehr freundlich, die Leute machten gerne Termine mit mir, es lief gut.“ Es ist ein Erfolgsfaktor der Unternehmerin, sie macht es einfach. 

 

Wie ein lustiger Roadmovie

Der Anfang des Unternehmerinnenseins. Sie ist da so reingeschliddert. Und dann lief es zu gut, um es abbrechen zu können. Aus der Liebe wurde eine rein geschäftliche Partnerschaft. Aber das tat dem Erfolg keinen Abbruch. 1994 kam dann doch eine Identitätskrise. Sie fragte sich, „warum habe ich eigentlich studiert, wenn ich nur Glasuren verkaufe“. Damals noch ohne Kinder ist sie einfach mal drei Monate rausgegangen, hat an einem Film mitgearbeitet, war sechs Wochen allein mit dem Rucksack in Indonesien. Sie kam gerne zurück und konnte danach klarer formulieren, was sie wollte. „Angestellt sein ist nicht mein Ding und ich mag mein Leben in Münster.“

 

Die nächste Stufe unternehmerischer Identität

Sie wird spät zweimal Mutter. Beruf und Familie kann sie in der Selbstständigkeit gut vereinbaren. Aber der Geschäftspartner möchte raus. Die potenziellen Käufer seiner Anteile passen nicht wirklich. Sie überlegt, seine Anteile zu kaufen und alleinige Inhaberin von BOTZ Keramische Farben zu werden. Da stößt sie an eine innere Grenze. Sie ist nicht sicher, ob sie sich das alleine zutraut. Dann tut sie etwas, was sie später als eine ihrer Stärken erkennt: Sie holt sich professionellen Rat, lässt sich coachen. Und kauft die Anteile. Alles wurde leichter, die Wege kürzer, die Entscheidungen klarer.

 

„Schulden machen ist für mich ein Synonym für: ich vertraue auf mich in meiner beruflichen Zukunft. Dieses Vertrauen in sich muss man der Bank klarmachen.“ Sie strahlt genau das aus, ein stilles, starkes Vertrauen in das eigene Schaffen und Können. Das Ziel waren von Anfang an kennzeichnungsfreie Produkte (ohne Blei etc.). Das war damals hochinnovativ und anspruchsvoll. Heute sind sie in ihrer Nische der einzige Hersteller, der komplett kennzeichnungsfrei ist. Die Vision erwies sich als sehr wegweisend. Denn seit den Achtzigern ist das Bewusstsein dahingehend stark gewachsen. BOTZ entwickelt sich zur Marke und ist in über 40 Ländern vertreten.