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PORTRAIT

Wir verwirklichen uns einen Traum

Britta Künzl und Mathias Apelt

Gastronomen, Gestalter und
gemeinsame Gründer der Flygge
Restaurantbetriebe in Kiel.

flygge-kiel.de

Im Ahlmanns, dem Restaurant im Hotel Kieler Kaufmann, waren beide noch Angestellte  – aber schon Gestalter. Den Gedanken an einen eigenen Laden hatten Mathias Apelt und Lebenspartnerin Britta Künzl schon länger. Es war ein schleichender Prozess bis zum Flygge. „Wir hatten Riesenrespekt vor diesem Schritt.“ Mut und Vorsicht haben sie unter sich als Paar gut verteilt. Das hilft ihnen, die Balance zu halten und gute Entscheidungen zu treffen. 

„Unsere Eltern haben Riesenvertrauen in uns gesetzt.“ 

Dann war es so weit. Der Platz für das eigene Restaurant war gefunden. Die Vergangenheit zahlte sich aus. Mathias Apelt hatte Kiel den ersten Stern erkocht und war nach neun Jahren als Koch im Kieler Kaufmann bekannt. Die Bank machte es den beiden leicht. Freunde unterstützten, die Familie auch. Und sie hatten einen guten Unternehmensberater. Apelt und Künzl haben sich nicht auf ihr Können allein verlassen, sondern haben Beratung in Anspruch genommen. Alles kam auf einen guten Weg. Die Eröffnung war für Februar 2020 geplant. 

 

Und dann kam Corona. 

Da mussten die beiden sich das erste Mal als Unternehmer*in beweisen. Denn die guten und vertrauten Mitarbeiter*innen, die sie mitgenommen hatten, die mussten bezahlt werden. Aber für einen noch nicht eröffneten Betrieb zog das Kurzarbeitergeld nicht. Kündigen war trotz der damals sehr unsicheren Aussichten keine Alternative für die frisch gebackenen Arbeitgeber. Und so entstand die Idee, einen Foodtruck zur Überbrückung aufzustellen. „In der Gastronomie muss man sich immer neu erfinden. Und so sind wir ja auch“, erklären beide, wie sie so schnell zu diesem Übergangskonzept gekommen sind. Und das wurde gut angenommen, war quasi der Vorbote der Restaurant-Eröffnung, die dann erst Ende Mai erfolgen konnte. 

 

„Früher konnte man sagen, Probleme gehen an den Chef. Das ist der große Vorteil des Angestelltenseins.“ 

Insgesamt waren beide überrascht von dem Aufwand, den all das Betriebswirtschaftliche und die Führungsaufgaben bereiten. „Es ist ein komplett neuer Beruf hinzugekommen, den wir jetzt nebenbei neu erlernen müssen.“ Auf zehn bis zwölf Stunden Küche und Service kommt das dann noch obendrauf. Man ist nicht mehr nur Koch. Aber man wird auch anders wahrgenommen. Es gibt viel Respekt von außen für einen solchen Schritt.

 

Der Erfolg kam sofort nach Eröffnung und der hat beide überrascht. „Wir wollten uns weiterentwickeln und selbst verantwortlich sein. Selbst bestimmen, auswählen, experimentieren, neugierig bleiben. Und wir wollen natürlich auch Spaß haben!“ Zwei Menschen mit viel Leidenschaft für ihre Profession und mit hoher Könnerschaft sitzen am Küchentresen. Stolz und Hoffnung, Vorsicht und ein wenig Erschöpfung nach der ersten aufregenden Startphase schwingt durch das ganze Gespräch. Beiden merkt man an, sie haben das nicht einfach mal gemacht und es sich auch nicht einfach gemacht. Sie sind jetzt flygge.