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PORTRAIT

Du musst immer für andere mitdenken

Bernd Steffen

Fleischereimeister, Landwirt-schaftsmeister und Unternehmer

steffen-muxall.de

Die Eltern hatten eine klare Erwartung an ihn. Er sollte den Betrieb weiterführen mit der Direktvermarktung. „Das war eigentlich nicht so richtig meins. Sondern meins war Trecker fahren.“  Das wandelte sich zum Glück mit der Zunahme der unternehmerischen Tätigkeiten. Führen liegt ihm. Die Mitarbeiter*innen liegen Bernd Steffen am Herzen.  

Dem eigenen Sohn will er vermitteln: „Du allein, schaffst nie so viel zu bewegen. Du bist gut, wenn sie alle das Richtige am richtigen Ort machen. Deine Aufgabe ist nicht die Arbeit an sich, sondern zu gucken, dass die anderen alle richtig arbeiten.“ 

 

„Ja, ich bin absolut Unternehmer, ja, genau. 

Ich bin auch Landwirt oder auch Fleischermeister, aber in erster Linie sehe ich mich als Unternehmer. Gut, ich schlachte noch mit, ich zerlege und mache Wurst, aber das ist nicht mehr meine Arbeit. Meine Arbeit ist eben, das Unternehmen zu führen.“ Mit 50 Mitarbeitern ist Hof Steffen schon eine gewisse Größe in der Region. Das ist Bernd Steffen bewusst und deshalb macht er auch den Mund auf, wenn es notwendig ist. 

 

Alphatier sein hilft

Bei sieben Kindern fanden sich auch mehrere, die Interesse an der Nachfolge haben. Ein Sohn (30) macht aktuell die Landwirtschaft und eine Tochter (26) die Fleischerei. Er selbst und seine Frau haben auch noch ihre Bereiche: „Aber wir gehen uns ein bisschen aus dem Weg. Wenn es passt, dann macht so jeder seins.“ Aus seiner Sicht hilft es schon, wenn man ein Alphatier ist, eine Eigenschaft, die er besonders bei seiner Tochter wiederfindet. Er lebt die Freude am Unternehmen vor. Es gibt nichts Schöneres für ihn. Und das hat sich vererbt: „Die Kinder haben erkannt, dass wir einen sehr, sehr tollen Betrieb haben, wo man sich freut, wenn man da mitmacht.“

 

Ich sehe überall Chancen, auch im Veganismus

Bernd Steffen guckt ständig, was wird jetzt von den Kunden oder den Menschen gebraucht, wo ist Bedarf? Er sieht die Veganer und Vegetarier. Entsprechend denkt er über weitere Möglichkeiten nach. „Also ich bin da immer sehr, sehr offen für neue Sachen.“ Sein Thema ist Nachhaltigkeit und was diese mit Ernährung zu tun hat. Wie ernähren wir uns in zwanzig Jahren? Essen wir überhaupt noch Fleisch? Diese Fragen bewegen ihn als Unternehmer. Er beeindruckt mit so viel Beweglichkeit im Kopf, der Fleischermeister.

 

Kein Bock auf Urlaub

Wie er da mitten in der Fleischerei sitzt, es ist mittags und es ist voll. Man kann es sich gar nicht vorstellen, dass er auf einer Liege liegt. „Das wäre sicherlich möglich, habe ich aber irgendwie keinen Bock drauf, weil ich ja viel zu sehr in dem Betrieb hänge und die Räder alle am Drehen halte und so.“ Er weiß, dass er nicht unersetzlich ist, aber den Betrieb am Laufen zu halten ist eben auch ein Lebenselixier für ihn selbst. Er ist stolz: „Na ja, also wenn ich dann mit meiner Frau mal abends irgendwo alleine bin, dann sage ich schon, meine Güte, wir haben da ja schon ganz schön was gerissen.“